Balladen

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Löwenritt

von Ferdinand Freiligrath (1810-1876) Wüstenkönig ist der Löwe; will er sein Gebiet durchfliegen, Wandelt er nach der Lagune, in dem hohen Schilf zu liegen: Wo Gazellen und Giraffen trinken, kauert er im Rohre; Zitternd über dem Gewalt'gen rauscht das Laub der …

Ferdinand Freiligrath

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Der Blumen Rache

von Ferdinand Freiligrath (1810-1876) Auf des Lagers weichem Kissen Ruht die Jungfrau, schlafbefangen, Tiefgesenkt die braune Wimper, Purpur auf den heißen Wangen. Schimmernd auf dem Binsenstuhle Steht der Kelch, der reichgeschückte, Und im Kelche prangen Blum …

Ferdinand Freiligrath

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Rudelsburg

von Franz Kugler (1808 - 1858) An der Saale hellem Strande Stehen Burgen stolz und kühn; Ihre Dächer sind gefallen, Und der Wind streicht durch die Hallen, Wolken ziehen drüber hin. Zwar die Ritter sind verschwunden, Nimmer klingen Speer und Schild; Doch dem W …

Franz Kugler

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Breit' aus die Flügel beide

von Julius Sturm (1816 - 1896) O Lisberg, armer Flecken, Wie haust an allen Ecken In dir des Feindes Wut! Hell lodern auf die Flammen, In Staub sinkst du zusammen, Und mit dem Staube mischt sich Blut. Geschrei auf allen Wegen! Es flieht dem Wald entgegen, Wem' …

Julius Sturm

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Der gefangene Räuber

von Anastasius Grün (1806 - 1876) Von Sabinerbergen nieder Wallt das braune Räuberweib, Schmiegend ihres Knäbleins Glieder Sorglich fest an ihren Leib. Wie sie tritt durch Romas Pforte, Glocken, Trommeln und Gebet! Ist's ein Fest, ist Markt am Orte? Beides hie …

Anastasius Grün

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Herrnhuter Romanze

von Rudolf von Gottschall (1823 - 1909) Unter den Linden von Gnadenfrei, Dort an den moosigen Steinen, Wandeln sie stumm im blühenden Mai, Ohne zu klagen, zu weinen. Bei der Posaune schmetterndem Klang Senken sie ein die Tote; Nur die Wipfel neigen sich bang, …

Rudolf von Gottschall

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Der tote Soldat

von Johann Gabriel Seidl (1804 - 1875) Auf ferner, fremder Aue, Da liegt ein toter Soldat, Ein ungezählter, vergess'ner, Wie brav er gekämpft auch hat. Es reiten viel Generale Mit Kreuzen an ihm vorbei; Denkt keiner, daß, der da lieget, Auch wert eines Kreuzle …

Johann Gabriel Seidl

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Reiters Morgengesang

von Wilhelm Hauff (1802 - 1827) Morgenrot, Leuchtest mir zum frühen Tod? Bald wird die Trompete blasen, Dann muß ich mein Leben lassen, Ich und mancher Kamerad. Kaum gedacht, War der Lust ein End' gemacht. Gestern noch auf stolzen Rossen, Heute durch die Brust …

Wilhelm Hauff

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Die Teichnixe

von August Trinius (1851 - 1919) Im Nachttau, am sternigen Teich, Da starrte mit ringendem Herzen Anselmo, der Sohn der Schmerzen, Hinab in das magische Reich. Es ruhten in sammtener Nacht Der tiefhin prangenden Ferne Der Mond und die silbernen Sterne Versamme …

August Trinius

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Die Schärpe

von Wilhelm Müller (1794 - 1827) Es war eine Königstochter, Blauäugig, lilienschlank; Die spann eine silberne Schärpe Viel Sommermonde lang. Sie saß auf hohem Stuhle, Vor ihres Schlosses Thür, Im hellen Mondenscheine Und webte für und für. Da zogen viele Ritte …

Wilhelm Müller

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Die Titanen

von Carl Spitteler (1845-1924) Eh' Zeus der Ordnungsspender ermaß Gesetz und Recht, Da herrschte der Titanen unbändiges Geschlecht. Sie spannten Erd' und Himmel in ihr gewaltig Joch, Denn kein Hiatus trennte die Schöpfung damals noch. Im tiefsten Hades fußend …

Carl Spitteler

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Die Weltpost

von Carl Spitteler (1845-1924) Auf einem Berg ein Posthaus steht, das keinem andern gleicht, Das nie ein Wandrer hat geschaut und nie ein Brief erreicht. Die Riesensäle gähnen leer, kein Wort, kein Ruf erschallt. Statt Menschengeist und Menschenhand wirkt eise …

Carl Spitteler

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