von Carl Spitteler (1845-1924) Als noch Saturn der Herr der Erde war, Geschah das Sterben einmal nur im Jahr. Nicht einsam litt der Mensch die Todesnot, Es war ein feierlicher Völkertod. Auf einer Wiese standen sie vereint: Brüder und Unbekannte, Freund und Fe …
von Adelbert von Chamisso (1781-1838) Die Blitze erhellen die finstere Nacht, Der Regen strömt, der Donner kracht, Der mächtige Wind im Hochwald saust, Der wilde Gießbach schwillt und braust. Und düsterer noch, als der nächtliche Graus, Starrt Rocco der Greis …
von Wilhelm Müller (1794 - 1827) War einst ein Glockengießer zu Breslau in der Stadt, ein ehrenwerter Meister, gewandt in Rat und Tat. Er hatte schon gegossen viel Glocken, gelb und weiß, für Kirchen und Kapellen, zu Gottes Lob und Preis. Und seine Glocken kla …
von Joseph Freiherr von Zedlitz (1790 - 1862) Nachts um die zwölfte Stunde Verläßt der Tambour sein Grab, Macht mit der Trommel die Runde, Geht emsig auf und ab. Mit seinen entfleischten Armen Rührt er die Schlegel zugleich, Schlägt manchen guten Wirbel, Revei …
von Friedrich Rückert (1788 - 1866) Chidher, der ewig junge, sprach: Ich fuhr an einer Stadt vorbei, ein Mann im Garten Früchte brach; ich fragte, seit wann die Stadt hier sei? Er sprach um pflückte Früchte fort: "Die Stadt steht ewig an diesem Ort und wird so …
von Friedrich Rückert (1788 - 1866) Der alte Barbarossa, der Kaiser Friedrich, im unterirdschen Schlosse hält er verzaubert sich. Er ist niemals gestorben, er lebt darin noch jetzt; er hat im Schloss verborgen zum Schlaf sich hingesetzt. Er hat hinabgenommen d …
von Ludwig Uhland (1787 - 1808) Rechberger war ein Junker keck, der Kaufleut und der Wanderer Schreck. In einer Kirche, verlassen, da tät er die Nacht verpassen. Und als es war nach Mitternacht, hat er sich auf den Fang gemacht; ein Kaufzug, hat er vernommen, …
von Ludwig Uhland (1787 - 1808) Von Edenhall der junge Lord lässt schmettern Festdrommetenschall; er hebt sich an des Tisches Bord und ruft in trunkner Gäste Schwall: "Nun her mit dem Glücke von Edenhall!" Der Schenk vernimmt ungern den Spruch, des Hauses älte …
von Ludwig Uhland (1787 - 1808) Als Kaiser Rotbart lobesam zum Heilgen Land gezogen kam, da musst' er mit dem frommen Heer durch ein Gebirge wüst und leer. Daselbst erhub sich große Not, viel Steine gabs und wenig Brot, und mancher deutsche Reitersmann hat dor …
von Ludwig Uhland (1787 - 1808) Es gingen drei Jäger wohl auf die Pirsch, sie wollten erjagen den weißen Hirsch. Sie legten sich unter den Tannenbaum; da hatten die drei einen seltsamen Traum. Der Erste: "Mir hat geträumt, ich klopf auf den Busch, da rauschte …
von Ludwig Uhland (1787 - 1808) "Hast du das Schloss gesehen, das hohe Schloss am Meer? Golden und rosig wehen die Wolken drüber her. Es möchte sich niederneigen in die spiegelklare Flut, es möchte streben und steigen in der Abendwolken Glut." "Wohl hab ich es …
von Ludwig Uhland (1787 - 1808) Normannenherzog Wilhelm sprach einmal: "Wer singet in meinem Hof und in meinem Saal? Wer singet vom Morgen bis in die späte Nacht so lieblich, dass mir das Herz im Leibe lacht?" "Das ist der Taillefer, der so gerne singt, im Hof …